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Medienpädagogik im Vorschulalter

(Besondere Anerkennung)

Kommunikation, Beratung und Bildung e.V.

Medienpädagogik im Vorschulalter Kommunikation, Beratung und Bildung e.V.

Der Verein Kommunikation, Beratung und Bildung e.V. initiierte 2007 in  Zusammenarbeit mit dem Landesfilmdienst Sachsen ein Projekt zur  medienpädagogischen Arbeit in Kindertagesstätten. Ziel war es, bei  Vorschulkindern entsprechend ihrer Altersspezifik, Ansätze medienkompetenten Handelns zu entwickeln. Im Rahmen des Projektes wurde angestrebt, die Kinder für den verantwortungsbewussten Umgang mit einem breiten Medienspektrum zu sensibilisieren, angefangen beim personalen Kommunikationsmittel „Körpersprache“  über „traditionelle“ analoge bis hin zu modernen, elektronischen Medien. Voraussetzung für die Durchführung des Projektes war zunächst die Befähigung  der als Multiplikatoren wirkenden Erzieher/-innen. Erst die so herausgebildete  Qualität medienpädagogischer Kompetenz des erzieherischen Personals  ermöglichte eine zunehmend selbsttragende Realisierung dieses Projektes durch die Kindertagesstätte. Neben den Kindern und Erzieher/-innen waren auch  die Eltern in das Projekt eingebunden, indem ihnen Möglichkeiten der Beratung und des Erfahrungsaustausches zum Umgang mit Massenmedien im familiären Umfeld  geboten wurden.

Thema

Das Projektthema hat die gegenwärtig von vielen Seiten geäußerte  fatalistische Klage „Was machen die Medien mit den Menschen/ Kindern?“ aufgegriffen und versucht – durch handlungsorientiertes  medienpädagogisches Herangehen – diese in ein optimistisch  ergebnisoffenes „Was machen wir Menschen/Kinder mit den Medien?“  umzuwandeln. Kinder sollten bereits frühzeitig durch einen ihrem Entwicklungsstand entsprechenden Umgang Gestaltungs- und  Funktionsweisen eines ausgewählten Medienspektrums erfahren, erkennen,  nutzen und ggf. auch bereits ansatzweise durchschauen können.  Entsprechend des Projektansatzes, der auf einem weiten Medienbegriff beruht, erfuhren die beteiligten Vorschulkinder zunächst, dass der eigene  Körper ein wichtiges Medium bzw. das wichtigste personelle Ausdrucksmittel ist.

Folgende Teilprojekte wurden mit den teilnehmenden Kindern während der  Projektphase durchgeführt:

  • Thema 1: „Unser Körper spricht“ Arbeit an und mit der nonverbalen Kommunikation“
    Die Kinder wurden mit Körpersprache bewusst konfrontiert. Dazu dienten  Spiele unter Einbeziehung der Mimik und Gestik. Durch Bewegungsspiele wie  Tanz oder Theater, wurden die Kinder angeregt, bestimmte Situationen  auszudrücken bzw. diese zu erkennen.
  • Thema 2: „Wir erzählen Geschichten“Die Kinder erfanden Phantasiegeschichten und gaben Erlebnisse aus der  Erfahrungswelt der Kindertagesstätte wieder, die auch spielerisch dargestellt  wurden.
  • Thema 3: „Was wir hören“Arbeit an und mit auditiven Medien Kernpunkt dieser Arbeit stellte die Kreation einer „Audio-Werkstatt“ dar. Neben dem Zuhören und Nacherzählen stand  sowohl die Identifizierung als auch das Herstellen von Geräuschen im  Mittelpunkt dieses Abschnittes.
  • Thema 4: „Wie entsteht ein Bild?“
    Arbeit an und mit visuellen Medien – das statische Bild

    Die Kinder fotografierten die Welt aus ihrer Sicht. Das Fotografieren von Dias  ermöglichte eine gemeinsame Betrachtung durch alle Kinder.
  • Thema 5: „Wie die Bilder laufen lernen“Arbeit an und mit visuellen Medien das dynamische BildMithilfe eines Blankfilmes wurden eigeneZeichnungen angefertigt und  anschließend konnten die Kinder die Erzeugung einer Bewegung sehen. Darüber hinaus wurden Figuren aus Plastiline geformt und die einzelnen Bewegungen wurden dann mit einer Videokamera aufgezeichnet.
  • Thema 6: „Können Medien lügen?“Ein Teil der Gruppe stellte eine Situation dar oder erzählte eine Geschichte. Ein  anderer Teil musste dann beurteilen, ob diese Situation bzw. Geschichte real  sein kann oder ob diese erfunden wurde. Um die Wirklichkeit projizieren zu  können, produzierte anschließend ein Teil der Gruppe ein Video in Form einer   selbst entworfenen Nachrichtensendung, die der andere Gruppenteil nach dem Wahrheitsgehalt zu beurteilen hatte.

Zielgruppe/n

Da gerade in der Vorschulerziehung die kommunikative, insbesondere  sprechsprachliche Wechselwirkung zwischen Kindern, Eltern und  Erzieher/-innen eine entscheidende Rolle spielt, wurde bereits bei der  Projektkonzeption auf die gegenseitige Anregung aller Beteiligten hoher Wert gelegt. Wenn medienpädagogische Arbeit mit Kindern in hoher Qualität  realisiert werden soll, dann ist das auch stets eine Herausforderung an die einschlägige Qualifikation der Erziehungsbegleitenden und an das pädagogisch-psychologische Einfühlungsvermögen der Erziehungsberechtigten. Deshalb sollten neben den Kindern auch die  Erzieher/- innen diesbezüglich vertiefende Kompetenzen erhalten und  darüber hinaus sollte auch an die Eltern mit dem Ziel herangetreten werden,  das medienpädagogisch Erreichte in der Familie zu stabilisieren und ggf. auszubauen. 

Methoden

Das Projekt basierte auf der Grundlage des Situationsansatzes, d.h. die Lebensumstände und das Umfeld der Kinder wurden genuin in das Projekt einbezogen. Diese Herangehensweise ermöglichte auch, dass die  medienpädagogische Arbeit dauerhaft integriert werden konnte. Differenzierte Methoden und Verfahren der handlungsorientierten  Medienpädagogik wurden genutzt, um die (Weiter-)Entwicklung der Wahrnehmungs- und Kommunikationsfähigkeit der Vorschulkinder zu fördern. Für die beteiligte Kindertagesstätte bedeutete das Projekt eine Erweiterung des Handlungsspielraumes und der Einsatzmöglichkeiten verschiedenster Medien. Insofern hat sich Medienpädagogik im Vorschulalter zum einen als  Mittler zwischen unterschiedlichen Kita-Alltagsaktivitäten und zum anderen als  praktische Darstellungsform des Medieneinsatzes verstanden.

Ergebnisse

Die Hauptergebnisse sind zum einen die Entwicklung und Erprobung einer medienpädagogischen Konzeption für Vorschulerziehung und zum anderen die Erarbeitung einer Broschüre mit DVD für die Nachnutzung in  Kindertagesstätten. Als sehr positiv hat sich die konstruktive  Zusammenarbeit mit der Kindereinrichtung und die engagierte Mitarbeit von Student/-innen, insbesondere der Kommunikations- und Medienwissenschaft, erwiesen. Da die Erzieher/-innen immer als Bezugspersonen in die  Projektarbeit integriert waren, konnte in besonderer Weise auf die  Individualität der Kinder eingegangen werden. Methodisch-pädagogische  Hinweise und Anregung aus der Praxis trugen dazu bei, dass in jedem Fall alters- und kindgerecht gearbeitet wurde. Insbesondere ist hier auch auf das Engagement der Leiterin der Kindertagesstätte und der Geschäftsführerin  der Fröbel gGmbH Leipzig zu verweisen. Durch den Einsatz vieler Mitglieder des Vereins Kommunikation Bildung und Beratung e.V. bei der Vorbereitung  und Durchführung der einzelnen Projekttage konnten die thematischen  Aspekte methodisch und inhaltlich gut strukturiert umgesetzt werden. Die Kinder erhielten die Möglichkeit, sich mit der medialen Welt  auseinanderzusetzen. Durch den bewussten Einsatz nonverbaler Kommunikation konnten sie ihre Gefühle und Ängste gezielt zum Ausdruck bringen. Bei den jüngeren, etwas sensibleren und schüchternen Kindern verbesserte sich die Kommunikationsfähigkeit und sie wurden ermuntert, ihre Gedanken anderen gegenüber zu äußern. Ein weiterer Aspekt ergab sich aus der Beschäftigung mit der Fotografie. Es konnte erreicht werden, dass die Kinder ihre Umgebung aufmerksamer betrachteten und viele Details ihres Lebens in den Fokus nahmen. Ähnliches ist auch hinsichtlich der Arbeit mit Mikrofon und Kassettenrekorder zu konstatieren. Insgesamt entfaltete das Experimentieren mit Kamera und Mikrofon die Fantasie und Kreativität
der Kinder.
Die Kita-Erzieher/-innen leiteten für sich neue Handlungsfelder  medienpädagogischer Arbeit ab. Dies zeigt sich u.a. darin, dass sie demnächst mit den Kindern auf fotografische Entdeckungsreise gehen  werden und dazu wiederum die vom KBB e.V. bereitgestellte Technik nutzen.

Kontakt

KBB e.V.
c/o Andreas Pusch
Hallbergmooser Str. 27
04205 Leipzig

Tel.: 0341/479 02 65
E-Mail: kbb-ev@arcor.de
Web: www.kbb-ev.de

Im Interview

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